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FICHE N°9

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NEI NOPEREN Mir hun nei Noperen. Gëschter si s'erageplënnert. "Et si Friemer", seet mäi Papp. "Ech hun nach nët erausfonnt, wou se hirkommen. An ech verstin och nët, wat se schwätzen. Vläit as et Italienesch. Oder Portugi sesch. Et kann awer och Bulgaresch sin. Oder Afrika nesch. Wann et Franséisch wär, hätt ech näischt anzewennen. Am Franséische war ech ëmmer eng Bomm. Awer et as kee Franséisch." "Da fro s'einfach, wat se schwätzen!" son ech zu méngem Papp. "Wéi soll ech dat da maachen?" freet hien." Wéi seet een da,WAT SCHWÄTZT DIR?' op Marokkanesch? Hä? Kanns du mir dat emol verroden, Kätt?" "Wie seet dann, datt eis nei Nopere Marokkaner sin?" fron ech. "Marokkaner oder Chinesen oder Japaner oder Azerbeidjaner, dat as dach alles d'selwecht!" seet hien. "Wéi dann?" fron ech. "Déi schwätzen alleguer eng Sprooch, déi ech nët verstin", seet mäi Papp. "Et muss een dach nët ëmmer schwätzen, fir séch ze verston", son ech. "Du hues gutt schwätzen", seet mäi Papp." Da weis du mir mol, wéi een dat mécht!" Mäi Papp huet nët onrecht. Liicht as et nët, fir déi nei Nopere kennenzeléieren. Wann ech elo einfach an hirt Haus gin a son 'Je m'appelle Catherine et je suis votre voisine' da kenne si méch jo schon. Mee dat klappt nët.Well si versti jo kee Franséisch. A wann et wiirklech Afrikaner sin? Wéi heescht 'Katt' op Afrikanesch? Kattongo? Kättibula? Kattakitti? Oder wéi? "Ech hun do keng Problemer", seet méngem Papp säi Kolleg Panzi. "Mir as et egal, wou déi nei Noperen hirkommen. Souwisou son ech bei sou Leit ëmmer nëmmen ee Saz: Pallapapperlapappla! Dat kléngt dach gutt, oder nët?" "Watfireng Sprooch as dat dann?" fron ech. "Dat hänkt ganz dovun of", seet de Panzi. "Wann ech mat Grieche schwätzen, as et Griechesch. Wann ech mat Englänner schwätzen, as et Englesch. A wann ech mat Senegalese schwätzen, as et Senegalesesch." "A wat heescht dee Saz?" fron ech. "Pallapapperlapappla?" seet de Panzi. "Dee ka villes heeschen. Mueres heescht en zum Beispill ,Ah, elo grad as d'Sonn opgaang! 'Mëttes heescht en,Wat hun ech en Honger, Jongen! 'Owes heescht en ,Elo gët nach e gudden Humpe gepoutzt!', awer och ,Ech sin sou midd, datt ech bal hannerécks vum Stull falen!' Dee Saz heescht eben alles. An all Mënsch versteet en. Du brauchs en nëmme richteg ze betounen." "Dat glewen ech nët", son ech zum Panzi.
"Wette mer?" laacht de Panzi. "Pass mol op, Kätt. Ech gin elo iwwer
bei déi nei Noperen a soë mäi Saz. Du wäerts gesin:
Mir verstinn eis direkt!"
"Wien hätt dat geduecht?" wonnert séch mai Papp."Mäi
Kolleg Panzi as e richtege Geni an de sproochen!"
Aus: Sagenschatz des Luxemburger Landes N. Gredt |
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I. Hexenmeister 797. Der Geiger von Echternach. Zu den Zeiten des hl. Willibrord war ein Jüngling aus Echternach, namens Veit, seiner ausserordentlichen Grösse wegen der lange Veit genannt, der kürzlich zum Christentum über getreten war, mit seiner jungen Frau, die ebenfalls Christin geworden war, nach dem hl. Lande gepilgert. Schon waren zehn Jahre seit ihrer Abreise verflossen und da keinerlei Kunde von ihnen nach Echternach gelangte, so teilten die Anverwandten, in der Meinung, sie seien gestorben, alle ihre Güter unter sich. Gross war also ihr Staunen, als am Ostertag des Jahres 729 der lange Veit plötzlich in Echternach wieder auftauchte. Aber auf seinem sonst so heiteren Gesicht hatte sich Trauer gelagert; denn seine teure Begleiterin war von den Sarazenen gemordet worden. Arm kehrte er zurück und besass nichts als ein seltsames, allen unbekanntes Instrument, eine Art Geige. Als Veit seine Güter zurückforderte, beschlossen seine Anverwandten, ihn anzuklagen, er habe seine Frau ermordet. Tags darauf traten sie offen mit ihrer Anklage auf und drei der kräftigsten von ihnen erboten sich, nach der Sitte der damaligen Zeit, durch Zweikampf die Richtigkeit ihrer Aussage zu erhärten. Am Pfingstmontag fand der Zweikampf statt; schon beim ersten Gange ward Veit zu Boden geworfen und, des Gegners Fuss auf der Gurgel, musste er sich für besiegt erklären. So wurde er denn des Mordes schuldig befunden und verurteilt, am folgenden Tage gehängt zu werden. Veit erbat sich als letzte Gnade, auf seinem Todesgang seine Geige mit- nehmen zu dürfen, und schon stand er auf der Leiter, am Fuss des Hügels, wo heute die Pfarrkirche sich erhebt. Der Galgen war umdrängt von zahl- reichen Zuschauern. Da erfasste Veit den Fiedelbogen und entlockte seiner Geige so helle Töne, dass die Menge erstaunt und tief erschüttert aufhorchte. Auf die Klagetöne erklang es aus dem wunderbaren Instrument wie Schluchzen und Tränen, bei denen die Menge wie ausser sich geriet, die Hände rang und irre Blicke warf. Der Henker, der oben auf der Leiter stand, wankte, liess das verhängnisvolle Seil fallen und musste, da er sich nicht mehr oben zu halten vermochte, verwirrt herabsteigen. |
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ZAUBERER UND ZAUBER Indessen spielte Veit immerfort; unter seinem leicht und rasch dahin- gleitenden Fiedelbogen schienen Funken hervorzusprühen, und die wie an gewurzelt horchende Menge umher war ganz unter dem Einfluss des gewal tigen Geigers, der plötzlich mildere, himmlische Akkorde hervorzauberte: es war ein Gebet, das aus dem verzauberten Instrument zum Himmel emporstieg. Die Zuschauer lagen auf den Knieen, Veits Lippen bewegten sich, er betete, aus seinen grossen, blauen, zum Himmel erhobenen Augen flossen Tränen. Und Gott erhörte des armen Geigers Gebet, wandte sein Antlitz ab von der verbrecherischen Menge und gab ihm seine Ankläger preis. Da plötzlich, von wilder Begeisterung ergriffen, raste Veit mit dem Fiedelbogen über sein Instrument und hüpfende, hinreissende Töne erklan- gen bezaubernd weithin. Wie von unsichtbarer Hand emporgehoben, stand alles Volk aufrecht und begann sich im Tanze zu bewegen, anfangs ruhig und gemessen, dann aber immer schneller und schneller, bis sich zuletzt alles in rasendem Tanze drehte. Männer und Frauen, Greise und Mädchen, Väter und Kinder, alles tanzte. Veits Verwandte und mit ihnen die Richter tanzten um die Leiter, der Henker tanzte unter dem Galgen. Die von den Weideplätzen heimeilenden Haustiere begannen ebenfalls zu tanzen. Alles, was in und um Echternach lebte, ward von der Tanzwut ergriffen. Da stieg, immer fiedelnd, der Geiger von der Leiter herab, schritt durch die Menge, die unvermögend war, ihn festzuhalten, und entfernte sich langsam. Noch hörte man eine Zeitlang die Töne der Zaubergeige aus der Ferne erklingen, Veit aber war verschwunden und nie mehr hat man ihn in der Gegend wiedergesehen. Ganz Echternach tanzte bis zum Sonnenuntergang; die achtzehn Ver wandten Veits aber tanzten, so lautet die Sage, unablässig ein Jahr lang um die Leiter. Schon waren sie bis an die Knie in die Erde hinein getanzt, als der hl. Willibrord zu Utrecht davon Kunde erhielt, schnell herbeieilte und sie vom Zaubertanz befreite. Nach J. Collin de Plancy, abgedruckt in der Luxemburger Zeitung, 1858, Nr. 121. |